Alljährlich Ende Januar bietet der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten das vor 26 Jahren eingeführte Format der Bauleitergespräche an. Das Konzept beruht darauf, sich zwei Tage lang mit rechtlichen und praktischen Fragen rund um die Baustellen der Freiraumgestaltung auseinanderzusetzen. Der persönliche Austausch und ein geschützter Raum für kontroverse und konstruktive Diskurse ist den Teilnehmenden besonders wichtig. Auch in diesem Jahr waren alle 380 Plätze zwei Wochen nach Bekanntgabe der Veranstaltung ausgebucht. Zusätzlich nutzten 100 weitere Kolleg*innen das Hybrid-Format.
Besondere Wertschätzung auf dem rechtlichen Gebiet genießt jedes Jahr die kompakte Zusammenfassung der Neuerungen, die sich im DIN-Normen-Bereich ergeben haben. In dem Dschungel von Richtlinien, Regelwerken und Normen ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten und immer auf aktuellem Stand zu bleiben. Tom Kirsten als BDLA-Fachsprecher für Bautechnik und Normenwesen übernahm diesen Part.
Bereits zum zweiten Mal nutzte der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) die Möglichkeit, im Rahmen seiner diesjährigen Bauleitergespräche den Natur- und Wassererlebnis-Park am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel zu besuchen. Während bei der Exkursion über die Baustelle Ende Januar 2023 mit Sicherheitsstiefeln, Schutzhelmen und Warnwesten der Blick noch voller Konzentration nach unten auf Geröll und gefrorenen Boden mit tiefen Furchen gerichtet werden musste, war es für die circa 60 Landschaftsarchitekt*innen in diesem Jahr ein Spaziergang mit Blick über die im Mai 2023 eröffnete Parklandschaft. Gerade der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Baustadien machte für die Bauleiterinnen und Bauleiter den erneuten Besuch interessant.
Aber auch die Philosophie des Parks, jungen Menschen auf der Grundlage einer Vielzahl von Ökosystemleistungen eine Möglichkeit zur Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau zu ermöglichen, fand großen Zuspruch. Dafür war es erforderlich, den angehenden Landschafts- und Zierpflanzengärtnern alle Gewerke auf der Baustelle anzubieten, die im Lehrplan der Ausbildung verpflichtend für einen erfolgreichen Abschluss sind. Dass überwiegend praktisches Lernen in einer außerbetrieblichen Einrichtung ein guter Einstieg in den Gärtnerberuf sein kann, zeigt das Pilotprojekt des Emscherlandes. Für die gestandenen Landschaftsarchitekt*innen war es allerdings genauso interessant, sich mit der Vielzahl von Baumaterialien und Bauweisen auseinanderzusetzen.
Letztendlich ist das Emscherland ein guter Botschafter der Internationalen Gartenausstellung 2027 in der Metropole Ruhr. Die IGA 2027 greift mit diesem ersten fertiggestellten Zukunftsgarten das Sonderthema alter Kulturpflanzen als Beitrag zur Biodiversität auf, möchte ein Labor für neue Pflanzenzüchtungen anbieten, Bewusstsein im Umgang mit der wertvollen Ressource Boden als Lebensgrundlage schaffen. Mit der Streuobstwiese, dem Imkergarten, Wildbienen und ökologischem Weinanbau wird ein Bogen zum Gartenbau geschlagen. Das Herzstück des Natur- und Wassererlebnis-Parks sind Emscher und Suderwicher Bach, für die eine großzügige Auenlandschaft modelliert wurde, in der sich beide Gewässer nun eigendynamisch entwickeln können. Die Emschergenossenschaft als Bauherrin hat das Emscherland als Mitmachpark konzipiert und lädt dazu ein, seine weitere Entwicklung mitzugestalten.
BDLA und Exkursionsteilnehmer*innen der Bauleitergespräche wollen im kommenden Jahr wiederkommen und haben Interesse auch an den neuen Baustellen für die Herrichtung der weiteren Zukunftsgärten für die IGA 2027 angemeldet.
