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Die IGA 2027 zu Gast in Berlin auf der Jahrestagung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung


Jahrestagung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung

1922 riefen deutsche Städtebauer und Landesplaner die Freie Akademie des Städtebaus ins Leben. Zu den Gründungsvätern gehörten unter anderen Robert Schmidt und Stephan Prager aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen, damals Rheinland. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Akademie unter ihrem heutigen Namen, wiederum von Stephan Prager in Düsseldorf neu gegründet. Robert Schmidt war zur selben Zeit die treibende Kraft für den Aufbau des Siedlungsverbandes Ruhrkohlebezirk, heute Regionalverband Ruhr. Schon allein deshalb hat sich die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen in der föderal organisierten DASL besonders für die Jubiläumsveranstaltung 2022 besonders engagiert.

Im Zentrum der Tagung zum 100jährigen Bestehen der DASLstand unter der Überschrift „Gesellschaft am Scheideweg – Unsere Verantwortung und unser Beitrag“ die Frage nach der Verantwortung der Raumgestaltenden in einer Zeit, die sie unter dem Eindruck des Klimawandels, komplexer weltweiter Pandemien und zunehmender gesellschaftlicher Disparitäten als Beginn einer tiefgreifenden Transformation definieren. Angesichts der Auswirkungen einer Lebensweise, die mehr Ressourcen verbraucht, als die Natur als Rohstofflieferant nachbilden und in ihrem Gleichgewicht in der Umwelt kompensieren kann, haben sich Fachkolleg*innen aus ganz Europa und darüber hinaus mit den Konsequenzen des ständigen Wachstums von Warenproduktion und damit zusammenhängenden logistischen Erfordernissen auseinandergesetzt. Die gravierenden Konsequenzen für Klima, Biodiversität und die Lebensqualität der Weltbevölkerung sind die sich seit Jahren überlagernden Krisen. Welche Rolle, Verantwortung und Konsequenzen ergeben sich für eine Raumplanung, die ein integratives Verhältnis zwischen Mensch und Natur anstrebt?

Der erste Tag der DASL-Jahrestagung diente mit Vorträgen prominenter Gäste, wie dem Präsidenten des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, einer Lagebestimmung, die in vier Panels vertieft wurde. Im internationalen Kontext wurde erörtert, wie sich diese Transformation vollziehen kann und muss. Es ging um die Neubestimmung von Exzellenz als systemischer Kompetenz über rein fachliche Kompetenz hinaus und um die Chancen für ein an Resilienz orientiertes Handeln. Welche normativen Ziele und Maßstäbe auf lokaler und regionaler Ebene können die globalen Entwicklungen unterstützen, d.h. was können wir und jeder Einzelne, jede Einzelne von uns dazu beitragen, dass es unserer Umwelt und den auf der Erde Lebenden weltweit nicht zunehmend schlechter geht. Was ist die Verantwortung der Fachdisziplin der Planung und des Umweltmanagements?

Am zweiten Tag des Kongresses setzten sich in einer halbtägigen Werkstatt die Landesgruppen der DASL mit dem veränderten Selbstverständnis der Disziplin über die verschiedenen Generationen und inhaltlichen Verantwortungsbereiche hinweg auseinander. In „Pionierstrategien“ ging es um strategische und beispielhafte Ansätze der aktuellen Planungspraxis selbst.Erfolgreiche, ermutigende und Hoffnung weckende Herangehensweisen für neue nachhaltige Vorgehensweisen verschiedener Akteure, wie unter anderem von Kommunen und regionalen Zusammenschlüssen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, wurden vorgestellt und in drei Runden a jeweils 45 Minuten diskutiert. Die Erkenntnis, dass sektorales Handeln immer mehr durch querschnittsorientiertes Zusammenarbeiten abgelöst wird, setzte sich durch.

Folgende Themenschwerpunkte wurden durch die Landesgruppen der DASL angeboten:

1) Baden-Württemberg:

Transformation der Mobilität

2) Bayern:

Transformation der Landwirtschaft –

Raumentwicklung

3) Berlin / Brandenburg:

Stadt und Land zusammendenken

4) Hamburg / Mecklenburg-Vorpommern /

Schleswig-Holstein | Nord:

Transformatorisches Potential der

Digitalisierung

5) Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland:

Transformation im Bestand

6) Mitteldeutschland:

Klimawandel und Gerechtigkeit

7) Niedersachsen / Bremen:

Neue gemeinschaftliche Wohnformen

8) Nordrhein-Westfalen:

Landschaft in Veränderung – Rolle der

Freiräume und Landschaft für eine klimaangepasste Stadt- und Raumentwicklung

Die im Rahmen dieser Jahrestagung angebotene Werkstatt der Landesgruppen betrachtet die DASL nicht als Schlusspunkt einer in der Akademie über drei Jahre geführten wissenschaftlichen und strategischen Debatte, sondern als Kick off für einen Prozess, der die DASL in den nächsten Jahren weiter begleiten wird.

Die Landesgruppe NRW als Gastgeberin für ihre Pionierstrategie „Landschaft in Veränderung“ hatte regen Zulauf. Sie hatte sich entschieden, ihre Inhalte beispielhaft an der Internationalen Gartenausstellung in der Metropole Ruhr 2027 festzumachen, hatte die mit der IGA 2027 verbundenen strategischen und Programmatischen Ansätze unter der Überschrift „Wie wollen wir morgen leben“, aus den erfolgreichen Formaten der Internationalen Bauausstellung Emscherpark und dem Emscher-Umbau hergeleitet.

Mutig forderten die Gäste der drei Diskussionsrunden, dass die Stadt künftig aus der Landschaft entwickelt werden muss. In diesem Zusammenhang kommt der urbanen Landwirtschaft, nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in allen Ballungsräumen eine verantwortungsvolle Rolle für den Ressourcenschutz und die Biodiversität, bei der Produktion, Distribution und Logistik zu. Kleinteilige, Wohnort nahe landwirtschaftliche und gartenbauliche Strukturen mit hoher Arten- und Strukturvielfalt zu schaffen, schien den Teilnehmer*innen ein geeignetes Vorbild zu sein. Das Bild der englischen und multicodierten Heckenlandschaften wurde öfter zitiert. Für eine funktionsfähige und produktive Landschaft seien neben der Landwirtschaft auch die Forstwirtschaft und die Wasserwirtschaft in einer führenden Rolle. In der Stadt käme neben den Parks und Gärten auch den Kleingärten und den Grünzügen für urbanes Gärtnern eine besondere Rolle zu.