Vom 27. April bis zum 08. Oktober 2023 lädt die Barockstadt Fulda zum Besuch der mittlerweile 7. hessischen Landesgartenschau ein. Bereits 1994 hatte Fulda sehr erfolgreich die erste hessische Landesgartenschau mit dem Titel „Der Garten Hessens“ ausgerichtet und sich einen Namen mit der naturnahen Fulda-Aue, aber auch einem fulminanten Blütenrausch in der ganzen Stadt gemacht.
In diesem Jahr durchziehen vier Ausstellungsflächen unter dem Motto „Fulda Verbindet“ die ganze Stadt. Es bietet sich an, nicht am Haupteingang zu starten, sondern am höchsten Punkt mit dem ‚Sonnengarten‘ zu beginnen und von dort in den ‚Kulturgarten‘, ‚Genussgarten‘ und ‚Wassergarten‘ mit dem eigentlichen Haupteingang zu wechseln.
Rund um den Sonnengarten, in dem der Garten am Sprengelsrasen und der neu und nachhaltig als WIR-Garten interpretierte ehemalige Tiergarten miteinander verschmelzen, sind neue Wohngebiete im Entstehen.
Im Sonnengarten setzt die Landesgartenschau einen Schwerpunkt in der gärtnerischen Fachberatung, ökologischem Gärtnern, alten Kultur- und Nutzpflanzen sowie nachhaltiger ökologischer Landwirtschaft. In die gärtnerische Realität umgesetzt, begeistern prachtvolle Wechselflorflächen, Schau- und Mottogärten mit üppigem und buntem Blütenreichtum die Gartenschaubesucher. Am Ausgang und Übergang zum Kulturgarten mit seinem Skulpturenschmuck liegt mit den ‚Spuren der Erinnerung‘ der Beitrag der Friedhofsgärtner.
Bereits an dieser Stelle erschließt sich den Gartenschaugästen eine besondere Qualität dieser Landesgartenschau. Alle Themen sind nicht gegeneinander abgegrenzt, sondern sie erzählen gemeinsam eine Geschichte dieser Landesgartenschau und verschmelzen harmonisch miteinander. Gastronomie, Musik, Vermittlung stehen nicht für sich, sondern sind in die Themenvielfalt eingebettet. Fast unmerklich wechseln „Gartenreiche“ mit Wechselflor und Themengärten, der Klimabaumpfad, Kletterpflanzengarten und ein chinesischer Garten und führen zum Gärtnertreff.
Der einzige Bruch, den wir als Besucher wahrgenommen haben, ist der Übergang zum Genussgarten, nicht nur wegen des Überquerens der Straße, Überwinden von Treppenanlagen und Wiedereintritt in das Gartenschaugelände. Beginnend mit der Blumenschau- und Gastronomiehalle, merkt man schnell, dass hier Erlebnis und Event im Vordergrund stehen. In unserem Fall hieß das, so schnell wie möglich diesen Bereich zu durchqueren.
Danach schließt sich am Eingang zum Wassergarten ein großer Umweltbildungsbereich an, bevor der eigentliche Wassergarten beginnt. Hier liegen die verschiedenen Zugänge und Schwerpunkte zum Natur- und Umweltbildungsbereich der Landesgartenschau. Als Scharnier wurde im Übergang vom Genussgarten zum Wassergarten ein breites Holzdeck mit mehreren Wasserbecken und, darin implementiert, naturnahen Gewässerreinigungsprozessen mit Pflanzen errichtet. Kleine Holztreppen erleichtern Wasservögeln den Zugang zum Wasser und die Holzdecke laden als Uferbalkone zum Entspannen und Beobachten ein.
Die beiden Aueweiher sind der Kern des Wassergartens und mit ihrem Umfeld bereits lange ein fester Bestandteil der Naherholungsgebiete in und rund um Fulda. Der Fluss Fulda verläuft parallel und hat keinen Zufluss zu den Stillgewässern der Aueweiher, die begleitend zur Vorbereitung der Landesgartenschau miteinander verbunden und saniert wurden, um eine Verbesserung der Wasserqualität des ökologischen Gleichgewichts zu initiieren. Umfangreiche Informationen zur ökologischen Aufwertung und zum Gewässerlebensraum der Teiche begleiten die Uferwege entlang der Weiher.
Eine lange verbindende Radwegetrasse zeigt beispielhaft, welche Materialien sich gut für eine breite intermodale Mobilitätsachse eignen, die auch fast unmerklich und selbstverständlich die Fußgänger und Radfahrer koordiniert. Es lohnt sich unbedingt, diesen Weg entlang von Stauden- und Gräserbändern mit Präriepflanzungen entlang zu spazieren oder mit dem Rad darauf zu fahren.
So, von hinten aufgezäumt, verlässt man zum Schluss sehr entspannt am obligatorischen Gärtner- und Handwerkermarkt das Gartenschaugelände in Richtung Innenstadt. Die evangelische Landeskirche hat mit einem Himmelszelt und Himmelsgarten einen schönen Ort zur Andacht und Einkehr geschaffen. Dort kann man aber auch heiraten und auch Taufen sind möglich.
Die Logistik ist sehr gut organisiert. Kostenfreie Shuttlebusse verkehren im Takt weniger Minuten in unterschiedliche Richtungen, zurück zum Ausgangspunkt oder in die Altstadt und zum Hauptbahnhof von Fulda. Das Tagesticket kostet 19,00 Euro. Dafür wird viel geboten, nicht nur für begeisterte Gärtnerinnen und Gärtner, sondern auch für erlebnishungrige Besucher und solche, die einfach nur am Wasser sitzend, in Ruhe die Seele baumeln lassen, lesen, träumen und genießen möchten.
Auffallend war der außergewöhnlich gute Pflegezustand in allen Bereichen der Landesgartenschau, der wirklich umfangreiche Blumen- und Blütenflor zu unterschiedlichsten Themen und Gärten. Die Rasen waren und sind trotz einer langen und trockenen Hitzeperiode grün.
Die Rekonstruktion des barocken Parterres im Schlossgarten von Fulda ist nicht fertig geworden. Das Projekt wurde aber auch nicht als Teil der Landesgartenschau 2.023 beworben. Dafür lohnt sich ein weiterer Besuch im nächsten Jahr!