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Einladung zur Bundesgartenschau nach Mannheim


Martina Oldengott über einen Besuch in Luisenpark und Spinelli-Gelände

Sonntag, 16. Juli 2023 – ein brütend heißer Tag in Mannheim und wettertechnisch ein guter Erprobungstag für den Besuch der diesjährigen Bundesgartenschau! Mit gut 80 Hektar ist allein schon der Spinellipark sehr weitläufig und die Entscheidung, morgens dort mit dem Besuch der Buga zu beginnen, um danach von dort mit der Seilbahn zum Luisenpark zu fahren, klug gewählt.

Ankommen

Die Anfahrt zum Spinelligelände mit dem Auto gelingt ohne Probleme. Auch mit der Tram ist der Park sehr gut angeschlossen. Die riesigen Flächen für temporäre Stellplätze versetzen uns in Erstaunen und auch Besorgnis darüber, welcher Besucheransturm uns möglicherweise tagsüber noch erwartet. Um 10.00 stehen nur wenige Fahrzeuge dort und auch nachmittags um 16.00, als wir das Gartenschaugelände verlassen, sind es wenige Autos. Auf dem Weg zum Shuttlebus sind einige hundert Meter zurückzulegen, aber einmal an der Haltestelle angelangt, braucht man nicht lange zu warten. Die Busse fahren in einer kurzen Taktung von wenigen Minuten. Von der Shuttle-Haltestelle ist der Weg zum Haupteingang gut und übersichtlich strukturiert. Blumenrabatten stimmen auf den Besuch der Gartenschau ein und führen die Gäste in die richtige Richtung.

Überblick über das Gartenschaugelände

Spinellipark

Die Dimensionen sind beeindruckend großzügig. Vorgegeben durch die ehemalige militärische Nutzung, zunächst durch die Nationalsozialisten und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die amerikanischen Streitkräfte, strukturieren breite Wege und Plätze, zum großen Teil ursprünglich Fahrbahnen für die Militärfahrzeuge, den Park. Die historische Funktion erschließt sich auf Schritt und Tritt von Anfang an. Durch die Barracken betritt man die BUGA und die Relikte der militärischen Gebäude wurden eindrucksvoll für die gärtnerische Präsentation erschlossen. Unmittelbar an den Haupteingang angrenzend konzentriert sich eine Vielfalt von Themen. Blütenflor, freiräumliche Gestaltung, Wasserkanal, vielfältige Regional-, Umweltbildungs- und Geschichtsthemen. Es sind Einzelpräsentationen. Gärtnermarkt, Blumenhalle und Themengärten setzen die gärtnerischen Akzente. Dank der Erhaltung der Barracken-Konstruktionen fühlt man sich vor der Sonne geschützt und auch die gastronomischen Angebote fügen sich selbstverständlich ein. Besonders eindrucksvoll im Übergang zum mittleren Gartenschaubereich ist ein langgestreckter Tisch der Nationen, an dem auf 193 individuell gestalteten Stühlen der 193 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen getafelt, ausgeruht, und beobachtet werden kann. In kleinen Grüppchen sitzen Besucherinnen und Besucher zwanglos zusammen oder auch Einzelpersonen dazwischen.

Etwas erhöht gelegen hat man von dort einen guten Überblick über den Mittelteil des Schaugeländes. Hier wechseln sich unter dem Motto „Experimentierfeld“ Garten-, Bepflanzungs-, Gesellschafts-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen miteinander ab. Auch wenn die einzelnen Mosaiksteinchen in diesem Feld von unterschiedlichen Institutionen und Akteur*innen verantwortet werden, wirken sie zusammen sehr eindrucksvoll als gut kuratierte Ausstellung zu dem Leitthema Klimawandel, Klimaanpassung und Ressourcenschutz. Ein Hain mit dem Titel „Zukunftsbäume für Mannheim“ informiert anhand von 79 Baumarten darüber, welche Baumarten geeignet für die Klimaanpassung sind. Darunter finden sich alte für Streuobstwiesen geeignete Obstbaumarten, Feldahorn, Zürgelbaum und Säulenhainbuche. Eine benachbarte Testpflanzung von einheimischen und ausländischen Baumarten zeigt allerdings, dass Schwarznuss, Walnuss und vor allem der Tulpenbaum  unseren heimischen Gehölzarten im Überlebenskampf überlegen sind. Sie standen frisch und vollbelaubt in ihren Containern. Einzig die Vogelkirsche hielt sich unter einheimischen Gehölzen halbwegs wacker.

Bei Staudenpflanzungen und Sommerblumen dominieren trockenheitstolerante Arten. Der Gräseranteil in den Rabatten ist hoch und demonstriert, wie reizvoll sie in Präriekompositionen sind. Obwohl in den Morgenstunden gewässert wird, sieht man dem Blütenflor an, dass er sich nicht in der gewohnten Üppigkeit entfalten kann. Außerhalb des Eingangsbereichs sind jetzt im Juli alle Rasen- und Wiesenflächen braun.

Von zwei mehrgeschossigen Stahlgerüsten gewinnen die Gäste einen guten Überblick über das Gartenschaugelände.   

An der nördlichen Grenze des Spinelliparks sind neue Wohnbauten errichtet und ihnen vorgelagert im Rahmen der Gartenschau große moderne Spielplätze geschaffen worden.

Westlich an das intensiv gestaltete Gartengelände grenzt der Klimapark, eine ausgedehnte Steppenlandschaft mit Augewässer und Panoramasteg an. Besonders anhand dieser extensiven Vegetationsflächen wird die Größe des Geländes bewusst vor Augen geführt. Im Zugang zum Klimapark liegt am Spinelliplatz die Seilbahnstation, die die Gartenschaugäste über den Klimapark, Neckarseitenkanal und Neckar hinweg zum zweiten Teil der Bundesgartenschau, dem Luisenpark bringt. Die Fahrt mit der Seilbahn über das Gartenschaugelände ist gerade angesichts der riesigen Flächendimensionen im Spinellipark, die man sich kaum an einem Tag erlaufen kann, ein absoluter Höhepunkt.

Luisenpark

Der Luisenpark ist Gartenschau erprobt. Ende des 19. Jahrhunderts als Volkspark im historistischen Stil nach Plänen der Firma Siesmeyer errichtet, danach mehrmals erweitert, war er 1975 Bühne für die erste Bundesgartenschau auf diesem Gelände. Diese Buga war ein großer Erfolg und seine Qualität hat sich über die gesamte Zeit erhalten. Eine Besonderheit ist, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gewünscht haben, dass er auf Dauer eingezäunt bleibt. Der Luisenpark zeichnet sich durch große Vielseitigkeit, wunderbaren alten Baumbestand, vielfältiger Garten- und Blütenpracht, einem wunderbaren Seerosenbecken, Skulpturenbereich, unterschiedliche Gartenpartien rund um das Herzstück des Kutzerweihers aus, Mit einer Gondoletta über den Weiher zu fahren, ist ein besonderes Erlebnis. Die vielen Gebäude, wie Pflanzenschauhäuser, Voliere, Schmetterlingshaus, ein kleiner Tierpark, Seebühne und eine filigrane, sorgfältig renovierte Gastronomie machen den Besuch im Luisenpark bei jedem Wetter möglich. Mit der Seilbahn landet man quasi mitten im Park. Am Samstag Mitte Juli war der Park voller Menschen – ein Kontrastprogramm zum Spinellipark, in dem sich die Besucher schnell verteilen, so dass überhaupt nicht der Eindruck der menschlichen Überlaufenheit entsteht.

Fazit

Ein Besuch der Bundesgartenschau Mannheim lohnt sich. Beide Teile sind in ihrer großen Unterschiedlichkeit sehr reizvoll. Ein Tag ist zu wenig, allein schon für den Spinellipark braucht man mehr Zeit, wenn man in Ruhe alle Angebote erkunden möchte. Mit 28,-- Euro ist der Eintritt relativ teuer, aber für die Qualität und Vielfalt des Angebots angemessen. Die Parkgebühren sind mit 9,50 Euro sehr hoch. Der Preis scheint dazu beizutragen, dass viele Besucher*innen mit dem ÖPNV anreisen.